Projekte / Nordbahnhof

Bauträgerwettbewerb

Ausgangspunkte für die Anordnung des Baukörpers waren:

1. Die Lage des Bauplatzes am Kreuzungspunkt von zwei Straßen im Norden und Westen und einer vorgelagerten Grünzone im Süden.
2. Die zukünftige städtebauliche Struktur des Gebietes mit relativ kleinteiligen Wohntürmen auf den benachbarten Bauplätzen.
3. Die Widmung mit einer Bebaubarkeit von 85% der gewidmeten Fläche, aber ohne Möglichkeit der Unterbrechung der geschlossenen Bauweise.

Städtebauliche Aspekte

Entwickelt wurde eine Struktur, die es gestattet, nahezu alle Wohnungen zum Grünraum in Südrichtung zu orientieren. Durch teilweises Zurückversetzen der Fassaden wird die Gebäudekubatur optisch in kleinere Einheiten aufgeteilt, die auf den beinahe 100m langen Fronten einen Rhythmus erzeugen und die Maßstäblichkeit der geplanten Nachbarbebauung aufnehmen.
An der Straßenseite entstehen durch die gegliederte Baukörperform urbane Platzbereiche, die zum Teil bis zu 6m hoch überdacht sind. In Zusammenhang mit diesen Flächen sind im Erdgeschoss zwei kleine Geschäfte und eine Arztpraxis untergebracht. Die Kombination aus städtischem Platzraum und Geschäftsflächen schafft eine belebte, kommunikative Erdgeschosszone, die ein Angebot zum Verweilen darstellt. Ein 12m breiter und ca. 6m hoher Durchgang stellt eine großzügige, öffentliche Fußwegverbindung vom urbanen Bereich in die Grünzone dar. Der Durchgang wird doppelt so breit ausgeführt als in den Bebauungsbestimmungen gefordert, um eine freundliche, angstfreie Zone zu schaffen.

Gebäudetypologie

Durch die Orientierung der Wohnungen zum Grünraum ist, in Kombination mit der Gliederung der Gebäudekubatur, ein Spännertyp mit 3 Stiegenhäuser entwickelt worden. Diese Struktur bietet eine große Anzahl Wohnungen, die nach beiden Seiten orientiert sind und sich durch eine günstige Raumaufteilung auszeichnen. Die rein südseitig orientierten Wohnungen sind in einem flexiblen Raster organisiert, der die Möglichkeit von 1 Zimmer bis 5 Zimmer Wohnungen bietet.
In Verbindung zu den Stiegenhäusern gibt es straßenseitig in jedem Geschoss begrünte Gemeinschaftsbalkone, die zur Strukturierung der Straßenfront beitragen. Diese Balkone können jeweils von den Mietern der angrenzenden Wohnungen genutzt und bepflanzt werden. Sie sind versetzt angeordnet, um zweigeschossige Bereiche zu schaffen und eine Kommunikation über die Stockwerke hinweg zuzulassen.
An der Gartenseite ist den Wohnungen eine Loggia und Balkonzone vorgelagert. Durch geschossweises Versetzen der Balkone entstehen ca.6m hohe individuelle Freibereiche. Vertikal angeordnete Fassadenplatten in Kombination mit den Brüstungselementen bilden blickgeschützte Rückzugszonen in den Freibereichen. Die Dachterrasse ist für gemeinschaftliche Nutzung vorgesehen und dient als Photovoltaikfeld.

Soziale Nachhaltigkeit

Die soziale Nachhaltigkeit verwirklicht sich ökonomisch durch ressourcenschonende Architektur, ökologisch durch ein standortadäquates Freiraumkonzept und gesellschaftlich im Hinblick auf das Wohnen zukünftiger Generationen. Das Konzept garantiert Social Sustainability durch unterschiedliche Wohnformen und die soziale Durchmischung durch flexible Mietangebote. Damit verbunden sind Angebote für Integrationswohnungen seitens der Volkshilfe. Hinsichtlich der gewünschten ethnischen Durchmischung ist die Form der Vermietung hilfreich: Die Wohnungen werden in der Rechtsform Miete mit Kaufoption angeboten. Die Gebös Varianten an, wodurch auch Menschen, die derzeit nicht über angespartes Kapital verfügen, die Möglichkeit geboten wird Wohnungen zu mieten und später ins Eigentum zu übernehmen. Die Variable Gestaltung der Grundrisse ermöglicht die Abtrennung der Küchen. In vielen Kulturen ist die Integration der Küche in den Wohnbereich unbekannt und unerwünscht. Küchen die direkt neben den Sanitärbereichen liegen, werden als unhygienisch empfunden und im vorliegenden Konzept vermieden.

Grün- und Freiraum

Auf allen Ebenen des Gebäudes spielt die Freiraumgestaltung und Grünausstattung eine vermittelnde Rolle. Die wichtigsten Freiraumelemente sind:
- Die Spielstraße: Sie bildet das gestalterische Rückgrat der EG-Zone, wird beidseitig durch Rasen- und Wiesenstreifen flankiert. Flexibilität und Nutzungsoffenheit charakterisieren diesen gemeinschaftsfördernden Grün- und Freiraum. Die solide Grundausstattung kann auf alle Ansprüche unmittelbar reagieren. Die belebte Zone umspült das gesamte Gebäude. Der Freiraum erlaubt eine Teilnahme an einem vielfältigen Angebot und ein Auffinden von Rückzugsorten. Die „Langen Tafeln“ sind Symbole des Gemeinschaftslebens. Kleinkinder haben ihre eigene, abgesicherte Spielzone, Jugendliche stehen, sitzen, liegen im Zentrum und beleben gemeinsam mit den Erwachsenen die Straßenszene und den Durchgang.
- Die Schmuckbänder und die Blütenbäume: Gräser- und Staudenbänder folgen einem formalem Ansatz und bilden farbenfrohe Rahmen für die nutzungsoffenen Aufenthaltsbereiche. Das Baumsortiment an der Straße soll durch die lockere Krone südliche Stimmung erzeugen und Blütenbäume säumen die Spielstraße. Mediterrane Kalthauspflanzen schmücken die EG-Zone und können in den Stiegenhauszonen überwintert werden.
- Die urbanen Plätze – meet me at the Corner: Theken und Bänke sind die Grundausstattung eines vielfältigen Angebots an die Bewohner und das gesamte Wohnumfeld. Hier gibt es wöchentliche Kleinveranstaltungen aller Art. Belebt werden die Plätze weiters durch die beiden Geschäfte und die Arztpraxis. Ein öffentlicher Durchgang verbindet die urbane Zone und die Spielstraße.

Auftraggeber GEWOG Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH
Adresse

1200 Wien, Schweidlgasse

Nutzfläche 7.440 m2
Einheiten 90 Wohnungen + 3 Geschäftslokale
Projektstatus abgeschlossen

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