Projekte / Schule -1160 Wien

Dachgeschossausbau und Sanierung VS+NMS Landsteinergasse 4 - Wiesberggasse 7

Städtebauliche Aspekte

Die beiden Schulgebäude sind in ihrem jeweiligen städtebaulichen Kontext zu betrachten. Während die Fassade der Volksschule zur Landsteinergasse zum Straßenraum orientiert ist, liegt die Fassade der Neuen Mittelschule Wiesberggasse an einem weitläufigen Platzraum. Dementsprechend unterschiedlich werden die Fassaden wahrgenommen und konsequenter weise auch in der Planung unterschiedlich behandelt. Zur Landsteinergasse wird ein rückspringendes Staffelgeschoss angeordnet, das optisch relativ niedrig wirkt und die Belichtung für die gegenüber liegenden Gebäude nicht beeinträchtigt.
An der Fassade zum Platz wird die Staffelung der Baumassen im Dach umgekehrt wodurch ein schlanker, scheinbar über dem historischen Gebäude schwebender Aufbau entsteht. Dadurch wird die Bedeutung der Schule in der umgebenden Wohnbebauung als besonderes Gebäude für Lehre und Forschung besser wahrgenommen.

Die höhere Front zum Platz stellt hinsichtlich der Belichtung für Anrainergebäude keine Einschränkung dar.
Auf jedem Fall muss für beide Gebäude um eine Ausnahmebewilligung gem. §69 BO angesucht werden, da die widmungsgemäße Gebäudehöhe von 16 Metern überschritten wird.

Um möglichst gute Belichtungsverhältnisse im Innenhof auf der eigenen Liegenschaft und für die Nachbarn zu bewahren, wird auf eine Aufstockung der Seitentrakte im Hof verzichtet.

Architektonische Aspekte – Umgang mit der historischen Substanz

Das bestehende Gebäudeensemble aus 1909 stellen ein hervorragendes Beispiel für den frühen Einsatz von Eisenbeton dar. Besonders die beiden Stiegenhäuser mit den ornamentalen Säulen und Geländern sowie die schlanken Rippendecken sind architekturhistorisch interessant. Auch die feingliedrigen Fassaden lassen auf die Bauepoche um 1910 schließen.


Ziel des Entwurfes ist es, die historische Substanz zu bewahren und mit den neuen Bauelementen zu unterstreichen. Die Dachgeschosse treten mit den Bestandsgebäuden nicht in Konkurrenz, sondern bilden einen ergänzenden Rahmen, der die Wirkung der historischen Fassaden betont.
Der Aufzug wird im Hof angebaut um das wichtige architektonische Element des Stiegenhauses nicht zu beeinträchtigen. Der Aufzugszubau im Hof bietet auch Vorteile hinsichtlich Bauablauf und Barrierefreiheit.

 

Die neuen Bauteile werden nach dem letzten Stand der Technik hochwertig und modern gestaltet und weisen damit auch auf einen modernen Schulbetrieb nach zeitgemäßen pädagogischen Prinzipien hin.

 

Funktionale Aspekte

Die barrierefreie Zugänglichkeit für beide Schulen wird über eine flache Rampe und einen Durchladerlift vom Gang zum Hofniveau in der Landsteinergasse erreicht. Über einen zweiten Lift in der Wiesberggasse können auch alle Geschosse der NMS barrierefrei erreicht werden. Die Lösung mit demDurchladerlift ermöglicht es auf die Errichtung einer Rampenanlage im Hof zu verzichten, wodurch eine möglichst große Fläche als Pausenhof erhalten bleibt.

Durch das Entfernen der Wand in der Stiegenspindel und das Vergrößern der Fenster im Erdgeschoss wird die Sichtbeziehung vom Gang in den Hof wesentlich verbessert, wodurch ein großzügiger, zusammenhängender Pausenbereich entsteht. Der Freibereich im Hof wird mit Terrassen ergänzt, die den Bewegungsräumen in den Dachgeschossen zugeordnet sind. Die Dächer der beiden bestehenden Turnsäle könnten auch zu Terrassen ausgebaut werden, wenn das die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion zulässt. Zumindest wird aber eine extensive Begrünung dieser Flächen vorgeschlagen.

Die Unterrichtsäume in der Landsteinergasse sind nach Süden orientiert, deshalb werden im 1. DG zur Beschattung Metalllamellen und im 2. DG ein Pergolavordach geplant.

Als zweiter Fluchtweg für alle Geschosse wird je Gebäude eine offene Freitreppe vorgesehen. Durch gläserne Brandschutzwände werden die bestehenden Stiegenhäuser vom Gebäude getrennt. Die Türen in diesen Brandschutzwänden stehen im Normalbetrieb offen und schließen sich erst im Brandfall.

 

Material und Konstruktion

Der zweigeschossige Dachausbau wird als Stahlrahmenkonstruktion mit Holzausfachung konstruiert. Als Fassade wird eine hinterlüftete Konstruktion mit Mineralwolledämmung und Metallpaneelen in Kupferoptik geplant. 

Fenster werden mit wärmegedämmten Aluminiumprofilen und Isolierverglasung ausgeführt.
Der Dachgeschossausbau soll dem Standard Niedrigenergiehaus entsprechen.

 

Sanierung der Bestandsgebäude

Im Entwurfskonzept und in der Kostenschätzung sind die Maßnahmen laut Punkt 3.2.2 der Angebotsbestimmungen enthalten. Im Zuge der Sanierung der Hoffassaden sollte eine Wärmedämmung aufgebracht werden.
Es wird angeregt auch die Sanierung der beiden Straßenfassaden im Zuge des geplanten Dachgeschossausbaues durchzuführen. Da für die Bauarbeiten im Dachgeschoss jedenfalls ein Gerüst notwendig ist, könnte man es sinnvoller Weise auch für eine Fassadensanierung verwenden.

 

Adresse 1160 Wien, Landsteinergasse 4 - Wiesberggasse 7
Projektstatus Abgabe 01.2018
Projektteam ARGE p.good/Huber

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